Topfbänder / Schrankscharniere 135 Grad

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Topfbänder / Schrankscharniere 135 Grad sind verdeckte Möbelbeschläge, die einen maximalen Öffnungswinkel von 135° zulassen und primär in L-förmigen Eckschränken mit Falttüren eingesetzt werden. Sie verbinden zwei separate Türflügel miteinander und ermöglichen so das vollständige Wegklappen der Front, um einen barrierefreien Zugriff auf den inneren Stauraum, wie beispielsweise ein Topfkarussell, zu gewährleisten.

Diese spezifische Scharnierart unterscheidet sich grundlegend von Standardbeschlägen. Während ein klassisches Topfscharnier 110 Grad eine Tür direkt mit der Schrankseite verbindet, agiert das 135-Grad-Scharnier meist als verbindendes Element zwischen zwei beweglichen Frontteilen. Für Schreiner, Küchenmonteure und den professionellen Möbelbau ist das exakte Verständnis der Kinematik und der Montageparameter dieser Beschläge zwingend erforderlich, um ein sauberes Fugenbild und eine kollisionsfreie Öffnungsbewegung zu garantieren.

Kinematik und Einsatzbereich im Eckschrank

Ein schrank scharnier 135 grad kommt fast ausschließlich in sogenannten Falttür-Eckschränken zum Einsatz. Die Türkonstruktion besteht hierbei aus zwei separaten Frontplatten. Die erste Platte ist mit Weitwinkelscharnieren (häufig Topfbänder / Schrankscharniere 165 Grad oder Topfbänder / Schrankscharniere 155 Grad) am Korpus befestigt. Die zweite Platte wird an die erste Platte montiert – genau hier kommt das scharnier 135 grad ins Spiel.

Das 135-Grad-Scharnier arbeitet wie das Kniegelenk eines Eckschranks – es verbindet zwei Türflügel flexibel miteinander und faltet sie beim Öffnen exakt im vorgegebenen Winkel aus dem Weg. Durch diesen Faltmechanismus schwingt die gesamte Front aus dem Zugriffsradius heraus. Ohne diese Kombination aus 165°-Korpusanbindung und 135°-Türverbindung wäre die Nutzung von Eckschränken mit rotierenden Einlegeböden mechanisch nicht umsetzbar.

Spezifische Anforderungen an das Material

Da die Falttür beim Öffnen und Schließen erhebliche Hebelkräfte auf die Beschläge ausübt, sind Topfbänder / Schrankscharniere für diesen Einsatzzweck massiv konstruiert. Sie bestehen in der Regel aus vernickeltem Stahl. Die Vernickelung bietet einen essenziellen Korrosionsschutz, der besonders im Küchen- und Badbereich aufgrund der vorherrschenden Luftfeuchtigkeit und möglicher Dämpfe gefordert ist.

Maßvorgaben und Bohrparameter

Für die korrekte Installation müssen die Bohrlochdurchmesser und Bohrbilder exakt eingehalten werden. Die Industrie hat hierfür feste Standards etabliert, die mit einer entsprechenden Bohrschablone für Topfbänder passgenau auf die Front übertragen werden.

Der Topfdurchmesser

Der Standard-Topfdurchmesser für ein topfscharnier 135 grad beträgt 35 mm. Dies ist das gängigste Maß im modernen Möbelbau und gewährleistet eine ausreichend große Kontaktfläche, um die dynamischen Lasten der Falttür aufzunehmen. Für spezielle, sehr dünne oder leichte Fronten existiert auch das topfband 26mm, welches jedoch bei schweren Küchenfronten aus MDF oder Massivholz aufgrund der geringeren Stabilität seltener für 135°-Anwendungen genutzt wird. Wenn Sie Standardfronten mit einer Stärke von 16 mm bis 22 mm verarbeiten, greifen Sie auf reguläre Topfbänder 35 mm zurück.

Die Topfbohrtiefe

Die Bohrung in der Möbelfront muss tief genug sein, um den Scharniertopf flächenbündig aufzunehmen, darf die Front jedoch nicht durchstoßen. Bei einem 35 mm Scharnier liegt die erforderliche Bohrtiefe typischerweise zwischen 11,3 mm und 11,5 mm. Bei einer Standard-Spanplatte von 16 mm Stärke verbleiben somit weniger als 5 mm Restmaterial – ein präziser Forstnerbohrer mit Tiefenstopp ist für die Bearbeitung unerlässlich.

Das Bohrbild (Schraubenabstand)

Der Scharniertopf wird neben der 35 mm Hauptbohrung mit zwei seitlichen Schrauben in der Front fixiert. Die gängigsten Bohrbilder (Abstand der Befestigungsschrauben) sind:

  • 45 mm (häufig bei Blum oder Grass)
  • 48 mm (häufig bei Hettich, z. B. als Alternative, wenn ein hettich scharnier 135 grad ersetzt werden soll)
  • 52 mm (Standardmaß bei vielen europäischen Herstellern)

Vor dem Austausch defekter Scharniere muss der Abstand von Lochmitte zu Lochmitte der kleinen Befestigungsschrauben zwingend mit einem Messschieber ermittelt werden, um Kompatibilitätsprobleme zu vermeiden.

Anschlagarten und Fugenbild

Die Wahl der richtigen Kröpfung (Biegung des Scharnierarms) definiert, wie die Tür im geschlossenen Zustand auf dem Korpus oder der Nachbartür aufliegt. Bei Falttüren im Eckschrank gelten besondere geometrische Bedingungen, weshalb das Verständnis der Anschlagarten fundamental ist.

Eckanschlag (Aufliegend)

Beim klassischen Eckanschlag liegt die Tür nahezu vollständig auf der Korpusseite auf. Der Scharnierarm ist gerade (ungekröpft). Diese Variante wird bei Standardtüren verwendet. Entsprechende Beschläge finden Sie unter Topfbänder Eckanschlag.

Mittelanschlag (Halb aufliegend)

Der Mittelanschlag wird genutzt, wenn sich zwei Türen eine Mittelwand des Korpusses teilen. Der Scharnierarm ist leicht gekröpft (meist 9,5 mm), sodass die Tür nur zur Hälfte auf der Korpuswange aufliegt. Für diese Konstruktionen eignen sich Topfbänder Mittelanschlag.

Innenanschlag (Innenliegend)

Bei einer innenliegenden Tür schlägt die Front nicht auf den Korpus auf, sondern sitzt bündig zwischen den Korpusseiten. Der Scharnierarm ist hier stark gekröpft (meist 16 mm bis 18 mm). Für solche flächenbündigen Designs kommen Topfbänder Innenanschlag oder spezifische Topfbänder Innenliegende Türen zum Einsatz. Wenn Sie gezielt nach einem scharnier schranktür innenliegend suchen, ist auf die maximale Kröpfung zu achten.

Hinweis für 135°-Falttüren: Bei der Verbindung zweier Türflügel im Eckschrank wird konstruktionsbedingt meist ein spezielles Falttürscharnier verwendet, das die Geometrie eines Eckanschlags aufgreift, jedoch durch die Montageplatte auf der benachbarten Front eine völlig eigene Kinematik entwickelt.

Mechanik: Selbstschließend vs. Dämpfung

Bei der Auswahl der Scharniere muss zwischen der Schließmechanik unterschieden werden. Die Begriffe werden häufig verwechselt, beschreiben jedoch unterschiedliche technische Eigenschaften.

Ein topfscharnier selbstschließend verfügt über eine integrierte Zuhaltefeder. Ab einem bestimmten Schließwinkel (meist ca. 10° bis 15° vor dem vollständigen Schließen) zieht die Feder die Tür automatisch an den Korpus heran und hält sie geschlossen. Ein Magnetverschluss oder Schnäpper ist somit nicht erforderlich. Scharniere selbstschließend können jedoch dazu führen, dass die Tür hörbar zuschlägt, wenn sie nicht von Hand geführt wird.

Um dieses Anschlagen zu verhindern, wird eine Dämpfung eingesetzt. Topfbänder / Schrankscharniere mit dämpfung (Soft Close) fangen die Schwungkraft der Tür durch einen integrierten Hydraulikzylinder ab. Die Tür schließt auf den letzten Zentimetern sanft und geräuschlos.

Wichtig: Bei der Montage einer Eckschrank-Falttür werden in der Regel ungedämpfte 135°-Scharniere verwendet, während die Dämpfung (Soft-Close) von den 165°-Korpus-Scharnieren übernommen wird. Zwei gedämpfte Scharniersysteme in einer Falttürkonstruktion würden sich gegenseitig blockieren und den Schließvorgang unnatürlich verzögern.

Montageplatten und Befestigungstechnik

Das Topfband besteht immer aus zwei Komponenten: dem eigentlichen Scharnierarm mit Topf und der Montageplatte (häufig als Kreuzmontageplatte ausgeführt), die am Korpus oder an der zweiten Tür befestigt wird.

Die Distanz der Montageplatte (H-Maß)

Montageplatten sind in verschiedenen Höhen erhältlich, meist bezeichnet als H0, H2 oder H4. Die Zahl gibt die Bauhöhe in Millimetern an. Die Wahl der Montageplatte beeinflusst die Fuge zwischen den Türen. Eine H2 Montageplatte hebt den Scharnierarm um 2 mm an. Dies ist bei 135°-Konstruktionen oft das Standardmaß, um ein Schleifen der beiden Fronten beim Falten zu verhindern.

Befestigung mit EURO-Schrauben

Die Montageplatte kann auf verschiedene Arten fixiert werden. Die professionellste und stabilste Methode ist die Verwendung von EURO Schrauben. Diese Spezialschrauben haben ein stumpfes Ende und ein breites Gewinde. Sie greifen in vorgebohrte Löcher mit einem Durchmesser von exakt 5 mm. Im Gegensatz zu klassischen Holzschrauben (Spax), die das Material beim Eindrehen verdrängen, schneiden sich EURO-Schrauben formschlüssig in die 5 mm Bohrung der System-32-Lochreihe ein. Dies garantiert eine extrem hohe Ausreißfestigkeit – ein entscheidender Faktor bei den hohen Zuglasten einer Falttür.

Einstellung und Justierung (3D-Verstellung)

Ein exaktes Fugenbild ist das Qualitätsmerkmal eines professionellen Möbelaufbaus. Schrankscharnieren einstellen erfordert Geduld und das Verständnis der dreidimensionalen Justierschrauben am Scharnierarm. Eine spezielle Einstellschraube für Schrankscharniere ermöglicht die Korrektur in alle drei Raumachsen:

  1. Seitenverstellung (Auflagenverstellung): Die vordere Schraube am Scharnierarm. Durch Drehen bewegt sich die Tür horizontal nach links oder rechts. Der Verstellweg beträgt meist +/- 2 mm. Damit wird die vertikale Fuge zwischen den Türen parallel ausgerichtet.
  2. Tiefenverstellung: Die hintere Schraube (oft als Exzenterschraube ausgeführt). Sie bewegt die Tür näher an den Korpus heran oder weiter weg. Verstellweg ca. +3 mm / -2 mm. Dies korrigiert den Abstand der Tür zur Korpusvorderkante und verhindert, dass die Front beim Öffnen am Korpus schleift.
  3. Höhenverstellung: Diese erfolgt nicht am Scharnierarm selbst, sondern an der Kreuzmontageplatte. Durch Lösen der Befestigungsschrauben kann die gesamte Platte samt Tür in den Langlöchern nach oben oder unten verschoben werden (meist +/- 2 mm).

Systematik der Öffnungswinkel im Möbelbau

Der Öffnungswinkel von 135° ist hochspezifisch. Um die verschiedenen Schrankscharniere Arten und Topfbänder Arten korrekt zuzuordnen, hilft ein Blick auf die Abstufungen der Öffnungswinkel im Möbelbau:

  • Spezialwinkel für Schrägen: Topfbänder / Schrankscharniere 30 Grad und Topfbänder / Schrankscharniere 45 Grad werden bei abgeschrägten Korpuskonstruktionen (z. B. Dachschrägen-Schränke) eingesetzt.
  • Stollen- und Blindscharniere: Topfbänder / Schrankscharniere 90 Grad finden oft bei einliegenden Blenden Verwendung. (Achtung: Suchbegriffe wie scharniere 90 grad oder flachwinkel 90 grad beziehen sich oft auf solche Stollenanschläge).
  • Der Standard: Das Topfbänder / Schrankscharniere Sortiment wird vom 110°-Scharnier dominiert. Es ist der absolute Standard für gerade Schränke, Kommoden und Hängeschränke.
  • Weitwinkel: Für einen vollständigen Zugriff (z. B. bei Innenschubladen) werden 155°- oder 165°-Scharniere genutzt.
  • Sonderformen: Begriffe wie 180 grad scharniere oder scharnier 180 grad beschreiben oft Spezialbeschläge, die eine Tür komplett flach an die benachbarte Wand klappen lassen. Bei verdeckten Topfbändern ist 165° jedoch das gängige Maximum.

Ausgewählte Produkte für 135-Grad-Anwendungen

Für die Konstruktion oder Reparatur von Falttüren im Eckschrank bietet das Sortiment präzise abgestimmte Beschläge. Ein zentrales Bauteil für diese Anforderung ist das 135º Scharnier Topfband, H2 Montageplatte mit EURO Schrauben für Ecktüren.

Dieser Beschlag ist ungedämpft ausgeführt, was ihn zur idealen Ergänzung für gedämpfte Weitwinkelscharniere am Korpus macht. Die mitgelieferte H2 Montageplatte sorgt für den notwendigen Distanzausgleich zwischen den beiden Türflügeln. Die Fixierung über vorinstallierte EURO-Schrauben garantiert eine zügige Montage in der 5 mm Reihenlochung und bietet maximale Stabilität gegen das Ausreißen unter dynamischer Belastung. Der Topfdurchmesser beträgt die genormten 35 mm, was einen direkten Austausch bei bestehenden Fräsungen ermöglicht.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu 135-Grad-Scharnieren

1. Kann ich ein 135° Scharnier für eine normale Schranktür verwenden?

Nein. Die Kinematik eines 135-Grad-Scharniers ist speziell für die Verbindung zweier beweglicher Fronten (Falttür) oder für spezifische Winkelkonstruktionen ausgelegt. Für eine reguläre Schranktür, die an einer geraden Korpusseite befestigt wird, benötigen Sie ein Standard-Topfband mit 110° oder ein Weitwinkelscharnier mit 165°.

2. Welchen Topfdurchmesser benötige ich für das 135-Grad-Scharnier?

Der absolute Branchenstandard für diese Scharniere liegt bei 35 mm. Messen Sie vor dem Austausch den Durchmesser des Bohrlochs in Ihrer Schranktür. Ein topfband 26mm ist für schwere Eckschrank-Falttüren baulich nicht ausreichend dimensioniert.

3. Warum sollte das 135-Grad-Scharnier ungedämpft sein?

Bei einer Falttür im Eckschrank sind zwei Scharnierarten im Einsatz: Das Weitwinkelscharnier (Korpus zu Tür 1) und das 135°-Scharnier (Tür 1 zu Tür 2). Wenn beide Scharniere mit einem Soft-Close-Zylinder ausgestattet sind, arbeiten die Dämpfer beim Schließen gegeneinander. Die Tür schließt dadurch extrem langsam oder blockiert. Die Dämpfung sollte stets nur vom Weitwinkelscharnier am Korpus übernommen werden.

4. Was bedeutet H2 bei der Montageplatte?

Das H-Maß definiert die Höhe der Montageplatte. Eine H2-Platte baut 2 mm höher auf als eine flache H0-Platte. Bei 135°-Konstruktionen wird die H2-Platte häufig eingesetzt, um den korrekten Abstand zwischen den beiden gefalteten Türflügeln herzustellen und ein Aneinanderreiben der Kanten zu verhindern.

5. Wie befestige ich die Montageplatte am stabilsten?

Für hochbelastete Falttüren ist die Befestigung mit EURO Schrauben in einer 5 mm Vorbohrung die technisch beste Lösung. Die stumpfen Schrauben greifen tief in das Material ein und bieten eine deutlich höhere Ausreißfestigkeit als herkömmliche, spitze Holzschrauben.