Topfbänder / Schrankscharniere 155 Grad

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Topfbänder / Schrankscharniere 155 Grad sind verdeckte Möbelscharniere, die einen besonders weiten Öffnungswinkel der Schranktür ermöglichen und primär bei Korpuskonstruktionen mit innenliegenden Auszügen oder in komplexen Ecklösungen eingesetzt werden.

Durch die spezielle Kinematik dieser Weitwinkelscharniere wird die geöffnete Tür vollständig aus der lichten Weite des Schrankes herausgeschwenkt. Dies ist eine zwingende technische Voraussetzung, wenn Schubladen oder Tablare hinter der geschlossenen Möbeltür montiert sind und beim Herausziehen nicht mit der Türkante kollidieren dürfen. In der professionellen Möbelmontage und im Schreinerhandwerk bilden diese Beschläge das Rückgrat für hochfunktionale Schrankinnenräume.

Technische Spezifikationen und Maße

Bei der Planung und Montage von Topfbändern / Schrankscharnieren mit einem Öffnungswinkel von 155° gelten branchenübliche Standards, die eine Kompatibilität mit den meisten Korpussystemen sicherstellen.

  • Topfdurchmesser: Die Standardbohrung im Türblatt beträgt 35 mm. Dies entspricht dem gängigen Maß für nahezu alle modernen Schrankscharniere.
  • Bohrtiefe: Der Fräsung für den Scharniertopf erfordert in der Regel eine Tiefe von 11,5 mm bis 12,5 mm. Das Türblatt muss demnach eine Mindeststärke von 15 mm bis 16 mm aufweisen, um ein Durchbohren oder Ausbrechen des Materials zu verhindern. Maximal sind Türstärken von bis zu 24 mm problemlos realisierbar.
  • Topfabstand (C-Maß): Der Abstand von der Türkante bis zum Rand der 35-mm-Bohrung liegt je nach gewünschtem Aufschlag und Hersteller meist zwischen 3 mm und 7 mm.
  • Öffnungswinkel: Der Nennwert liegt bei 155°. In der Praxis werden in dieser Beschlagsklasse oft auch Scharniere mit minimal größerem Radius verbaut. Daher überschneidet sich dieser Bereich häufig mit der Kategorie Topfbänder / Schrankscharniere 165 Grad.

Ein 155-Grad-Scharnier arbeitet wie der Arm eines Industrieroboters: Es schwenkt die Tür nicht nur auf, sondern hebt sie über ein mehrgelenkiges System in einer fließenden Bewegung komplett aus der Einflugschneise des Korpus heraus. Diese sogenannte Null-Einsprung-Technik garantiert, dass die lichte Schrankweite zu 100 Prozent nutzbar bleibt.

Anschlagarten bei Weitwinkelscharnieren

Die Wahl des korrekten Scharniers hängt maßgeblich von der Position der Tür im Verhältnis zur Korpusseite ab. Man unterscheidet drei grundlegende Konstruktionsweisen, die jeweils ein spezifisch gekröpftes Scharnier erfordern.

Eckanschlag (Aufliegende Tür)

Beim Eckanschlag liegt die Tür bei geschlossenem Schrank komplett auf der Stirnseite der Korpuswand auf. Von außen ist die Kante der Seitenwand nicht sichtbar. Der Scharnierarm ist in diesem Fall gerade (ungekröpft). Für diese Standardkonstruktion kommen Topfbänder Eckanschlag zum Einsatz. Sie bieten den maximalen Aufschlag, der durch die Wahl der Montageplatte und die seitliche Justierung feinabgestimmt wird.

Mittelanschlag (Halb aufliegende Tür / Zwillingsanschlag)

Teilen sich zwei Türen eine Mittelwand im Korpus (beispielsweise bei einer durchgehenden Schrankwand), darf jede Tür nur die halbe Stirnseite der Mittelwand verdecken. Der Scharnierarm ist hier leicht gekröpft (meist 9,5 mm). Entsprechende Topfbänder Mittelanschlag stellen sicher, dass beide Türen unabhängig voneinander geöffnet werden können, ohne aneinander zu reiben.

Innenanschlag (Innenliegende Tür)

Hierbei schließt die Tür bündig mit der Vorderkante der Korpusseiten ab; die Stirnseiten des Korpus bleiben sichtbar. Der Scharnierarm ist stark gekröpft (meist 16 mm bis 18 mm). Für solche bündigen Designs werden Topfbänder Innenanschlag beziehungsweise Topfbänder Innenliegende Türen verbaut. Auch hier ist die 155-Grad-Technik anwendbar, erfordert jedoch eine exakte Berechnung der Fugenmaße, da die Tür beim Öffnen in den Korpus hineinschwenkt, bevor sie nach außen tritt.

Dämpfungssysteme und Schließmechanik

Ein wesentliches Merkmal moderner Beschlagstechnik ist das Schließverhalten. Hier wird zwischen ungedämpften Systemen und solchen mit integriertem Soft-Close unterschieden.

Topfbänder mit Soft-Close

Wenn Möbelscharniere mit Dämpfung ausgestattet sind, befindet sich im Scharnierarm oder im Topf ein kleiner Hydraulikzylinder. Dieser fängt die kinetische Energie der zufallenden Tür ab einem Winkel von etwa 30° ab und zieht sie sanft und geräuschlos zu. Topfbänder Softclose schonen das Material des Korpus und verhindern ein lautes Zuschlagen. Spezifisch nach solchen Systemen suchen Monteure oft unter dem Begriff Topfband Soft Close oder Scharnier Soft Close. Die komplette Auswahl dieser gedämpften Varianten findet sich unter Topfbänder / Schrankscharniere mit dämpfung (Soft Close).

Ungedämpfte Scharniere (Selbsteinzug)

Ungedämpfte Scharniere selbstschließend verfügen lediglich über eine Feder, die die Tür auf den letzten Zentimetern zuhält. Sie schließen abrupt. Diese werden häufig eingesetzt, wenn bauseits separate Dämpfer (z.B. Aufsteckdämpfer oder Bohrlochdämpfer) verwendet werden, oder wenn das Schrankdesign den Einsatz von Push-to-Open-Systemen (Tip-On) für grifflose Fronten vorsieht. Wichtig: Ein Soft-Close-Scharnier darf niemals mit einem mechanischen Push-to-Open-System kombiniert werden, da die Hydraulik den Ausstoß der Tür blockiert.

Montageplatten und Befestigungstechnik

Das Topfband besteht immer aus zwei Komponenten: dem eigentlichen Scharnier (das in die Tür gebohrt wird) und der Kreuzmontageplatte (die an der Korpuswand befestigt wird).

  • Höhe der Montageplatte (Distanz): Platten werden in verschiedenen Höhen geliefert, meist als H0 (0 mm Distanz) oder H2 (2 mm Distanz). Die Wahl der Distanz beeinflusst den Türaufschlag. Eine H2-Platte verringert den Aufschlag um exakt 2 mm im Vergleich zu einer H0-Platte.
  • Befestigung der Platte: Die Platten werden entweder mit herkömmlichen Spanplattenschrauben (Durchmesser 3,5 mm oder 4 mm, Antrieb PZ oder TX) direkt in das Holz geschraubt, oder sie verfügen über vormontierte Euro-Schrauben. Euro-Schrauben greifen in die standardisierte 32-mm-Reihenlochung des Korpus (Bohrlochdurchmesser 5 mm) und bieten eine deutlich höhere Ausreißfestigkeit.

Das Einstellen von Schrankscharnieren (3D-Justierung)

Ein präzises Fugenbild ist das Aushängeschild jeder professionellen Montage. 155-Grad-Topfbänder verfügen über eine integrierte 3D-Verstellung. Das Schrankscharnieren einstellen erfolgt über drei Schrauben am Scharnierarm:

  1. Tiefenverstellung: Löst man die hintere Schraube am Scharnierarm, lässt sich die Tür in der Tiefe (Abstand zum Korpus) justieren. Dies reguliert den Druck auf Dichtungslippen oder Anschlagpuffer. Der Verstellweg beträgt meist +3 mm / -2 mm.
  2. Seitenverstellung (Fugenbild): Die vordere Einstellschraube für Schrankscharniere reguliert den Aufschlag. Durch Drehen bewegt sich die Tür horizontal nach links oder rechts. Hierdurch wird die vertikale Fuge zwischen zwei Türen parallel ausgerichtet.
  3. Höhenverstellung: Diese erfolgt direkt an der Montageplatte. Durch das Lösen der Befestigungsschrauben (oder über eine separate Exzenterschraube bei Premium-Platten) kann die gesamte Tür um ±2 mm in der Höhe verschoben werden.

Für das korrekte Setzen der Bohrungen empfiehlt sich die Nutzung einer Bohrschablone für Topfbänder. Sie stellt sicher, dass das 35-mm-Loch exakt im rechten Winkel und im korrekten C-Maß gebohrt wird.

Ausgewählte Produkte für Weitwinkel-Anwendungen

In dieser technischen Spezifikation stehen verschiedene Ausführungen zur Verfügung, die sich in Dämpfung und Montageplatte unterscheiden. Da der 155-Grad-Bereich fließend in den 165-Grad-Bereich übergeht, umfassen die Lösungen für Null-Einsprung-Anforderungen folgende Bauteile:

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur 155-Grad-Beschlagstechnik

Wie viele Topfbänder benötige ich pro Tür? Die Anzahl der Scharniere richtet sich nach dem Gewicht und der Höhe der Tür. Als Faustregel gilt für 35 mm Topfbänder: Bis zu einer Türhöhe von 900 mm und einem Gewicht von 4 kg bis 6 kg reichen 2 Scharniere. Bis 1600 mm (ca. 12 kg) werden 3 Scharniere benötigt. Ab 2000 mm (ca. 17 kg) sind 4 Scharniere zwingend erforderlich.

Kann ich 155-Grad-Scharniere gegen 110-Grad-Scharniere austauschen? Ja, sofern das Bohrbild (Topfdurchmesser 35 mm und identischer Topfabstand) übereinstimmt. Ein Austausch ist oft dann nötig, wenn ein Standard-Topfband / Schrankscharnier 110 Grad durch den Einbau von nachgerüsteten Innenschubladen den Auszugsweg blockiert. Die Montageplatte muss bei einem Wechsel der Gradzahl in der Regel ebenfalls getauscht werden.

Was bedeutet „Null-Einsprung“ bei 155° Scharnieren? Null-Einsprung bedeutet, dass die Tür bei einem Öffnungswinkel von 90° bis 155° den inneren Querschnitt des Schrankes komplett freigibt. Die Türkante ragt nicht in die lichte Weite hinein. Dies ist die Grundvoraussetzung für die Montage von Tablarauszügen oder Innenschubladen.

Lassen sich gedämpfte und ungedämpfte Scharniere an einer Tür mischen? Ja, das ist in der Montagepraxis ein gängiges Verfahren. Wenn eine große Schranktür mit drei oder vier Scharnieren ausgestattet wird, würde der Einsatz von ausschließlich gedämpften Scharnieren das Schließen extrem verlangsamen und einen hohen Kraftaufwand beim Öffnen erfordern. Häufig wird dann ein ungedämpftes Scharnier (mit Feder) mit zwei gedämpften Topfbändern Softclose kombiniert.

Verwandte Beschlagstechnik und Öffnungswinkel

Je nach räumlicher Gegebenheit oder Schrankgeometrie sind andere Öffnungswinkel erforderlich. Für Spezialkonstruktionen wie Falttüren, Eckschränke oder Dachschrägen stehen folgende spezifische Topfbänder / Schrankscharniere zur Verfügung: