Aufschraubschloss vs. Einlassschloss: Möbelschlösser für Schubladen und Schränke
Ein Aufschraubschloss wird direkt auf die Innenseite der Möbelfront montiert, während ein Einlassschloss flächenbündig in das Holz eingefräst wird.
Wer einen Schrank oder eine Schublade sicher verschließen möchte, steht bei der Auswahl der passenden Möbelschlösser vor einer grundlegenden Entscheidung bezüglich der Bauform. Die Wahl zwischen dem Aufschrauben und dem Einlassen des Schlosses bestimmt nicht nur den Montageaufwand, sondern auch die mechanische Belastbarkeit und die optische Wirkung auf der Innenseite des Möbels. Dieser Artikel erklärt die technischen Unterschiede und hilft bei der Entscheidung für das richtige Schließsystem.
Was ist ein Aufschraubschloss?
Das Aufschraubschloss ist die am weitesten verbreitete Bauform im modernen Möbelbau. Der gesamte Schlosskasten wird auf die Rückseite der Tür oder der Schubladenfront aufgesetzt und mit Holzschrauben (meist 3 mm oder 3,5 mm Durchmesser) fixiert.
Für die Montage muss lediglich eine durchgehende Bohrung für den Zylinder in die Möbelfront gesetzt werden. Der Zylinder wird von innen durch das Bohrloch gesteckt, bis der Schlosskasten plan auf dem Holz aufliegt. Die Rosette auf der Außenseite verdeckt die Schnittkante der Bohrung. Ein typisches Schubladenschloss dieser Bauart lässt sich mit einem Forstnerbohrer schnell montieren.
Was ist ein Einlassschloss?
Das Einlassschloss wird in die Kante oder die Rückseite der Möbelfront eingelassen. Dafür muss eine exakt passende Vertiefung in das Material gefräst oder gestemmt werden. Der Schlosskasten verschwindet komplett im Holz, sodass die Innenseite der Tür oder Schublade eine ebene Fläche ohne hervorstehende Bauteile bildet.
Diese Bauform ist traditionell im Massivholzmöbelbau und bei antiken Stücken verankert. Die Montage erfordert präzises Werkzeug wie eine Oberfräse oder Stechbeitel. Durch den flächenbündigen Sitz sitzt das Schloss wie ein Anker im Holz, was die Stabilität bei Gewalteinwirkung von außen erhöht.
Die technischen Unterschiede im Detail
Beide Schlosstypen erfüllen denselben Zweck, unterscheiden sich jedoch in Konstruktion und Anforderungen an das Möbelstück.
- Montageaufwand: Das Aufschraubschloss erfordert lediglich eine Zylinderbohrung und wird festgeschraubt. Das Einlassschloss verlangt eine exakte Ausfräsung, was mehr Zeit und fortgeschrittene Holzbearbeitungskenntnisse voraussetzt.
- Materialstärke: Ein Einlassschloss benötigt eine ausreichende Materialdicke. Bei einer Standard-Spanplatte von 16 mm ist das Einfräsen kaum möglich, ohne die Front zu schwächen. Hier sind Stärken ab 19 mm oder 22 mm notwendig. Ein Aufschraubschloss kann unabhängig von der Plattenstärke montiert werden, solange die Zylinderlänge zur Materialdicke passt.
- Mechanische Stabilität: Da das Einlassschloss vom umgebenden Holz umschlossen ist, verteilt sich die Kraft bei einem Hebelversuch auf das gesamte Material. Ein Aufschraubschloss wird lediglich von den Befestigungsschrauben gehalten, die bei starker Krafteinwirkung ausreißen können.
- Das Dornmaß: Ein kritischer Wert bei beiden Typen ist das Dornmaß. Es beschreibt den Abstand vom Mittelpunkt des Schlüsselloches bis zur Kante des Schlosses (bzw. der Türkante). Bei Aufschraubschlössern liegt das Dornmaß oft zwischen 15 mm und 40 mm. Es muss exakt beachtet werden, damit der Schließriegel korrekt in das Schließblech am Korpus greift.
Für welchen Fall eignet sich welches Schloss?
Die Entscheidung hängt maßgeblich vom Projekt, dem Material und den eigenen Werkzeugen ab.
Wählen Sie ein Aufschraubschloss, wenn:
- Sie ein Schrankschloss nachrüsten möchten.
- Die Möbelfront aus einer relativ dünnen Spanplatte oder MDF (z. B. 16 mm) besteht.
- Der Montageaufwand gering gehalten werden soll.
- Standardisierte Schubladensysteme mit einer Verriegelung ausgestattet werden sollen.
Wählen Sie ein Einlassschloss, wenn:
- Sie Massivholzmöbel bauen oder restaurieren.
- Die Innenseite der Tür komplett flächenbündig bleiben muss (z. B. weil sonst innere Schubladenausstattung beim Schließen der Tür blockiert wird).
- Eine höhere mechanische Sicherheit gegen Aufhebeln gefordert ist.
Spezifische Schlossvarianten im Möbelbau
Neben der reinen Bauform (aufgeschraubt vs. eingelassen) bestimmt die Mechanik den Einsatzbereich.
Für hohe Schranktüren reicht ein einfacher Riegel oft nicht aus, da sich die Tür oben und unten aufbiegen lässt. Hier kommt ein Schrankschloss mit Gestänge (auch Drehstangenschloss genannt) zum Einsatz. Dieses wird meist aufgeschraubt. Durch das Drehen des Schlüssels fahren Metallstangen nach oben und unten aus und verriegeln die Tür an drei Punkten gleichzeitig.
Wenn mehrere Möbelstücke mit demselben Schlüssel geöffnet werden sollen (gleichschließend), ist ein austauschbarer Möbelschloss Zylinder vorteilhaft. Hierbei wird der Schließzylinder separat in das Schlossgehäuse eingeschoben.
Ein Sonderfall ist das Briefkastenschloss (Hebelzylinder). Es wird durch ein einzelnes Loch in Blech oder sehr dünnes Holz gesteckt und mit einer Mutter auf der Rückseite gekontert. Statt eines ausfahrenden Riegels dreht sich ein starrer Metallhebel um 90° oder 180° hinter den Rahmen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie messe ich das Dornmaß richtig? Messen Sie von der Mitte des Schlüssellochs (oder der Zylinderbohrung) bis zu der Kante des Schlosses, aus der der Riegel herausfährt. Dieser Abstand in Millimetern ist das Dornmaß.
Welchen Bohrer benötige ich für ein Aufschraubschloss? Für den Zylinder wird ein Forstnerbohrer benötigt. Der Durchmesser richtet sich nach dem Zylinder des Schlosses, gängige Maße sind 18 mm, 19 mm oder 22 mm.
Kann ich ein Einlassschloss durch ein Aufschraubschloss ersetzen? Technisch ist das möglich, jedoch bleibt die alte Ausfräsung des Einlassschlosses sichtbar. Wenn die Optik auf der Innenseite keine Rolle spielt, kann das Aufschraubschloss über der Ausfräsung montiert werden, sofern die Schrauben im massiven Holz greifen.
Was ist der Unterschied zwischen links- und rechtsverwendbaren Schlössern? Viele Aufschraubschlösser sind für eine bestimmte Anschlagrichtung der Tür konstruiert. Bei rechts angeschlagenen Türen (Scharniere rechts) wird ein rechtes Schloss benötigt, damit der Riegel in die richtige Richtung (nach links zum Korpus) ausfährt. Einige Modelle sind umstellbar.
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