Lange Relinggriffe & Stangengriffe (160 mm bis 224 mm) für hohe Schränke

Ein Relinggriff ist ein Möbelbeschlag mit überstehenden Enden, während ein Stangengriff bündig mit den Befestigungssockeln abschließt.

Beide Bauformen zeichnen sich durch eine zylindrische oder kantige Griffstange aus, die in einem definierten Abstand zur Möbelfront montiert wird. Besonders bei hohen Schränken, schweren Auszügen oder großflächigen Kühlschranktüren kommen lange Relinggriffe und Stangengriffe zum Einsatz. Längen ab 160 mm bis hin zu 600 mm bieten ausreichend Greiffläche und verteilen die Zugkraft mechanisch sinnvoll auf die Front.

Dieser technische Ratgeber behandelt die Spezifikationen, normierten Bohrabstände, Materialeigenschaften und die fachgerechte Montage von langen Griffsystemen an Möbelfronten.

Konstruktion und technische Unterschiede

Obwohl die Begriffe im Alltag oft synonym verwendet werden, unterscheiden sich die beiden Grifftypen in ihrer exakten Bauweise. Dies hat Auswirkungen auf die optische Linienführung und den Platzbedarf am Möbelstück.

Der Relinggriff

Beim Relinggriff ragt die eigentliche Griffstange über die beiden Befestigungssockel (Füße) hinaus. Die Gesamtlänge des Griffs ist somit stets deutlich größer als das Maß zwischen den beiden Bohrlöchern. Diese Konstruktion stammt ursprünglich aus dem professionellen Küchen- und Werkstattbau, da die überstehenden Enden ein blindes Greifen aus verschiedenen Winkeln ermöglichen. Zudem können an den Überständen bei Bedarf leichte Gegenstände eingehängt werden.

Der Stangengriff

Der Stangengriff bildet eine geschlossene Einheit. Die Griffstange endet exakt bündig mit den äußeren Kanten der Befestigungssockel. Bei dieser Bauweise ist die Gesamtlänge des Griffs nahezu identisch mit dem Außenmaß der Sockel. Stangengriffe wirken durch den bündigen Abschluss kompakter und bergen ein geringeres Risiko, dass man mit Kleidungsstücken an überstehenden Enden hängen bleibt. Sie werden häufig in stark frequentierten Durchgangsbereichen eingesetzt.

Maßsysteme: Bohrabstand und Gesamtlänge

Das wichtigste technische Kriterium bei der Auswahl und Montage von Möbelgriffen ist der Bohrabstand, oft mit BA abgekürzt. Er definiert die exakte Distanz vom Mittelpunkt des linken Bohrlochs zum Mittelpunkt des rechten Bohrlochs.

Das System 32

In der europäischen Möbelindustrie basiert nahezu die gesamte Beschlagtechnik auf dem System 32. Diese Industrienorm besagt, dass Abstände von Bohrlöchern immer ein Vielfaches von 32 mm betragen. Dies gilt für Topfbänder, Auszugsschienen und eben auch für Möbelgriffe.

Für lange Griffe an hohen Schränken ergeben sich daraus folgende Standard-Bohrabstände:

  • 160 mm (5 x 32 mm)
  • 192 mm (6 x 32 mm)
  • 224 mm (7 x 32 mm)
  • 256 mm (8 x 32 mm)
  • 320 mm (10 x 32 mm)

Ein Griff mit einem Bohrabstand von 160 mm passt exakt in vorgebohrte Löcher dieses Rasters. Wenn Sie bestehende Griffe ersetzen, messen Sie immer von Lochmitte zu Lochmitte. Die Gesamtlänge des Griffs ist für die Bohrung irrelevant, spielt aber für die optische Proportion auf der Möbelfront eine Rolle. Passende Modelle für das gängigste Maß finden Sie unter Möbelgriffe 160mm sowie für die nächstgrößere Stufe unter Möbelgriffe 192mm.

Grifffreiraum und Durchmesser

Neben der Länge ist der Durchmesser der Griffstange entscheidend für die Haptik. Typische Stangendurchmesser liegen bei 10 mm, 12 mm oder 14 mm. Je schwerer die zu öffnende Tür ist, desto massiver sollte der Durchmesser gewählt werden, um ein Einschneiden in die Handfläche zu verhindern.

Der Grifffreiraum – also der Abstand zwischen der Rückseite der Griffstange und der Möbelfront – sollte mindestens 25 mm bis 30 mm betragen. Dieser Raum ist notwendig, damit auch kräftige Finger den Griff vollständig umschließen können, ohne die Front zu zerkratzen.

Materialkunde und Oberflächenbeschaffenheit

Die Wahl des Materials bestimmt die mechanische Belastbarkeit, das Gewicht und die Widerstandsfähigkeit gegen chemische Einflüsse (wie Fette oder Reinigungsmittel).

Edelstahl (V2A)

Echtes Edelstahl ist das Standardmaterial für den professionellen Einsatz. Es ist korrosionsbeständig, extrem verwindungssteif und abriebfest. Besonders bei sehr langen Griffen (z. B. 600 mm) verhindert die hohe Materialdichte von Edelstahl ein Durchbiegen der Stange beim Ziehen. Die Oberfläche wird meist fein gebürstet (Körnung 240 oder 320), was dem Material eine matte Struktur verleiht und Fingerabdrücke kaschiert. Entsprechende Ausführungen finden sich im Bereich Möbelgriffe Gebürsteter Stahl.

Aluminium

Aluminium ist deutlich leichter als Edelstahl und lässt sich hervorragend durch Eloxieren (anodische Oxidation) veredeln. Eloxierte Oberflächen sind sehr hart und kratzfest. Aluminiumgriffe eignen sich für großformatige, aber leichte Fronten, bei denen das Gesamtgewicht der Tür nicht unnötig erhöht werden soll. Eine Übersicht bietet die Kategorie Möbelgriffe Aluminium.

Pulverbeschichtete Oberflächen

Für farbige Ausführungen, insbesondere für das in der modernen Raumgestaltung häufig geforderte Schwarz, wird meist eine Pulverbeschichtung auf einen Stahl- oder Aluminiumkern aufgetragen. Das Pulver wird elektrostatisch aufgebracht und bei etwa 200 °C eingebrannt. Das Resultat ist eine schlagfeste Schicht. Eine leicht raue, matte Textur verbessert die Griffigkeit. Entsprechende Bauteile sind unter Möbelgriffe Schwarz Matt zusammengefasst.

Anwendungsbereiche für lange Griffe (160 mm bis 600 mm)

Die Länge eines Möbelgriffs muss in einem angemessenen Verhältnis zur Größe und zum Gewicht der Front stehen. Ein 600 mm langer Stangengriff an einer massiven Kühlschranktür wirkt wie ein Hebelarm, der die benötigte Zugkraft gleichmäßig auf die gesamte Handfläche verteilt.

Hoch- und Vorratsschränke (Apothekerschränke)

Frontauszüge, die den gesamten Inhalt eines Schranks auf einmal herausziehen, haben im beladenen Zustand ein hohes Gewicht. Hier sind Griffe mit einem Bohrabstand von mindestens 192 mm oder 224 mm erforderlich. Sie werden meist mittig und waagerecht montiert, um ein Verkanten der Vollauszug-Schienen zu verhindern.

Integrierte Kühl- und Gefrierkombinationen

Die Dichtungen von modernen Kühlschränken erzeugen ein starkes Vakuum. Um die Tür zu öffnen, muss ein hoher Anfangswiderstand überwunden werden. Kurze Griffe führen hier zu einer punktuellen Belastung der Finger. Lange Relinggriffe (ab 320 mm bis 600 mm), die senkrecht montiert werden, erlauben ein ergonomisches Greifen auf individueller Körperhöhe und erleichtern das Aufziehen erheblich.

Breite Schubladen und Auszüge

Bei Schubladen ab einer Breite von 800 mm empfiehlt sich entweder die Montage von zwei separaten Griffen oder die Verwendung eines einzelnen, sehr langen Stangengriffs. Ein langer, mittig montierter Griff stellt sicher, dass die Zugkraft zentral auf die Front einwirkt, was den Verschleiß der seitlichen Führungsschienen minimiert. Für den Einsatz im feuchteren und fettigeren Umfeld der Kochzone sind spezielle Möbelgriffe Küche auf leichte Reinigbarkeit optimiert.

(Hinweis: Wenn Sie schwere Klappen nach oben öffnen müssen, ist der Griff nur ein Teil der Lösung. Die eigentliche Hubarbeit übernehmen hier Beschläge wie ein Gasdruckdämpfer für Schwere Klappen, der in Newton berechnet wird).

Fachgerechte Montage von Stangen- und Relinggriffen

Die Montage erfordert Präzision. Ein falsch gebohrtes Loch in einer beschichteten Spanplatte oder einer MDF-Front lässt sich kaum unsichtbar korrigieren.

Benötigtes Werkzeug

  • Akkuschrauber oder Bohrmaschine
  • Holzbohrer mit Zentrierspitze (Ø 4 mm oder 5 mm)
  • Zollstock und Präzisionswinkel
  • Kreppband
  • Schraubendreher (meist PZ oder PH, passend zu den mitgelieferten Schrauben)
  • Zulagebrett (Reststück Holz) und Schraubzwinge

Technische Vorbereitung: Die Gewindeschrauben

Möbelgriffe werden in der Regel mit metrischen M4-Gewindeschrauben befestigt. Die Länge der Schraube ist abhängig von der Stärke der Möbelfront. Die Faustregel lautet: Frontstärke + ca. 3 mm bis 5 mm Einschraubtiefe in den Griff. Bei einer Standard-Spanplatte mit 19 mm Stärke wird somit eine Schraube mit einer Länge von 22 mm bis 24 mm benötigt. Die Schraubenköpfe sind meist als Flachkopfschrauben mit Kreuzschlitz-Antrieb ausgeführt.

Schritt-für-Schritt Montageanleitung

  1. Bohrposition ermitteln und markieren:
  2. Bekleben Sie die geschätzte Bohrstelle auf der Front großflächig mit Kreppband. Das Band verhindert später ein Ausreißen der Beschichtung und ermöglicht ein sauberes Anzeichnen mit dem Bleistift. Messen Sie den Abstand von der Türkante (meist 30 mm bis 50 mm) und markieren Sie die vertikale Achse.

  3. Bohrabstand übertragen:
  4. Markieren Sie das erste Bohrloch. Messen Sie von diesem Punkt exakt den Bohrabstand (z. B. 160 mm) entlang der Achse ab und markieren Sie das zweite Loch. Prüfen Sie das Maß zur Sicherheit, indem Sie den Griff an die Markierungen halten.

  5. Front gegen Ausreißen sichern:
  6. Wenn Sie von vorne durch die Front bohren, reißt der Bohrer beim Austritt auf der Rückseite unweigerlich das Dekor (z. B. Melaminharz) aus. Klemmen Sie daher ein Restholz (Zulagebrett) mit einer Schraubzwinge fest auf die Rückseite der Front, exakt hinter die markierten Bohrpunkte.

  7. Bohren:
  8. Verwenden Sie zwingend einen Holzbohrer mit Zentrierspitze. Die Spitze verhindert ein Abrutschen auf der glatten Oberfläche. Setzen Sie den Bohrer exakt im rechten Winkel (90°) an. Bohren Sie mit mittlerer Drehzahl und leichtem Druck durch die Front in das Zulagebrett. Ein Bohrdurchmesser von 4,5 mm oder 5 mm gibt der 4-mm-Schraube minimales Spiel, um winzige Messtoleranzen auszugleichen.

  9. Griff verschrauben:

Entfernen Sie Kreppband und Zulagebrett. Führen Sie die M4-Schrauben von der Rückseite durch die Löcher. Setzen Sie den Griff auf der Vorderseite an und drehen Sie die Schrauben zunächst mit den Fingern in die Innengewinde des Griffs. Ziehen Sie die Schrauben anschließend mit einem Hand-Schraubendreher handfest an. Verwenden Sie hierfür keinen Akkuschrauber, um ein Überdrehen des Gewindes im Griff zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Bohrabstand und Gesamtlänge? Der Bohrabstand (BA) ist das exakte Maß zwischen den Mittelpunkten der beiden Befestigungslöcher. Die Gesamtlänge beschreibt die äußeren Abmessungen des Griffs. Bei einem Relinggriff ist die Gesamtlänge durch die überstehenden Enden immer deutlich größer als der Bohrabstand. Bei einem Stangengriff sind beide Maße nahezu identisch.

Welches Rastermaß ist bei Möbelgriffen üblich? In Europa wird das System 32 verwendet. Die Bohrabstände sind immer Vielfache von 32 mm. Gängige Abstände für lange Griffe sind 128 mm, 160 mm, 192 mm, 224 mm und 320 mm.

Kann ich einen langen Relinggriff senkrecht und waagerecht montieren? Ja, die Ausrichtung hat keinen Einfluss auf die Funktion des Griffs. An Schubladen und Auszügen werden Griffe waagerecht montiert, um eine gleichmäßige Zugkraft auf die Führungsschienen auszuüben. An Drehtüren und Kühlschrankfronten ist die senkrechte Montage üblich, da sie ein ergonomisches Greifen auf unterschiedlichen Höhen ermöglicht.

Welcher Bohrer wird für die Montage von Stangengriffen benötigt? Für saubere Löcher in Spanplatten, MDF oder Massivholz benötigen Sie einen Holzbohrer mit Zentrierspitze. Der Durchmesser sollte 4 mm bis 5 mm betragen, da die Standard-Befestigungsschrauben ein M4-Gewinde besitzen. Ein 5-mm-Loch bietet etwas Toleranz beim Ausrichten.

Wie tief muss die Schraube in den Griff reichen? Die metrische Schraube sollte mindestens 3 mm bis 5 mm tief in das Innengewinde des Griffs greifen, um eine stabile Verbindung zu gewährleisten. Sie darf jedoch nicht am Ende des Sacklochs anstoßen, da sich der Griff sonst nicht fest an die Front ziehen lässt.

Warum reißen die Bohrlöcher auf der Rückseite der Möbelfront aus? Das Ausreißen (Splittern der Beschichtung) passiert, wenn der Bohrer beim Austritt aus dem Material keinen Gegendruck hat. Dies lässt sich verhindern, indem man vor dem Bohren ein flaches Reststück Holz fest an die Rückseite der Front zwingt und durch die Front in dieses Restholz hineinbohrt.

Wie reinigt man gebürstete Edelstahl-Griffe am besten? Verwenden Sie warmes Wasser und ein mildes Spülmittel. Bei fetthaltigen Fingerabdrücken in der Küche hilft ein weiches Mikrofasertuch. Wischen Sie immer in Richtung der Bürstung (der Maserung des Edelstahls), um die matte Struktur nicht zu beschädigen. Vermeiden Sie scheuernde Putzschwämme oder aggressive chlorhaltige Reiniger.

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